A) Was ist Kultur?

Was ist Kultur (nicht)?

Bei dem Versuch den Begriff der Kultur näher zu greifen, können wir ihn einerseits dem Begriff der Natur gegenüber stellen. Die Natur als das, was der Mensch nicht selbst geschaffen hat, sondern bereits natürlich in seiner Umwelt vorfindet, gilt hierbei als wild oder sogar gefährlich. Die Natur als etwas Unberechenbares prägt den Menschen, in dem sie ihn von ihr abhängig macht. So sind alle Menschen den Lebensnotwendigkeiten unterstellt und durch sie bedingt. Dies ist eine argumentative Grundlage, die alle Menschen von Natur aus als gleich darstellt. Natur als das, was der Mensch nicht verändern kann und als Grundlage seines Lebens vorfindet, kann nun durch seine Fähigkeiten verändert werden. Dieses „Bearbeitung“ kann auch als Kultivierung bezeichnet werden. Der Mensch kultiviert seine Umwelt und schafft eine Sphäre, eine Welt, die über seinen Naturzustand hinausgeht. Dieser Gegenpol zur Natur wird als Kultur bezeichnet. 

Der Mensch und seine Fähigkeiten, beispielsweise Dinge herzustellen oder zu produzieren, kennzeichnen so das Verhältnis zwischen Natur und Kultur. Es handelt sich um eine Art Prozess von Natur zur Kultur, der eine Veränderung der menschlichen Umwelt beschreibt. Die Natur verstanden als Ausgangspunkt ist somit die Basis und Konstante oder menschliche Bedingtheit. Alles vom Menschen Geschaffene umfasst hingegen den Begriff der Kultur. Kultur ist somit im Gegensatz zur Natur sehr variabel und spiegelt die Einzigartigkeit menschlicher Kreativität wieder. Was der Mensch mit der Natur macht und wie er sie bearbeitet, wird in einem Prozess des Herstellens deutlich. Dabei geht es nicht nur um materielle Güter, wie Gebäude, Städte oder andere Gegenstände, die der Mensch produziert, sondern ebenfalls um immaterielle Güter. So kann der Begriff der Kultur auch den menschlichen Umgang, Sitten und besondere Verhaltensweisen umfassen. 

Die Bewertung des Verständnisses zwischen Natur und Kultur ändern sich jedoch von Zeit zu Zeit. Ob eine Kultivierung daher nun gut oder schlecht ist, hängt von der jeweiligen Betrachtungsperspektive ab. Hier können Rousseau und Hobbes als Beispiele für zwei unterschiedliche Bewertungen des Verhältnisses von Natur und Kultur herausgestellt werden. Rousseau in seiner Anthropologie sieht den Menschen als gut, somit versteht er auch die Natur als etwas prinzipiell Gutes. Erst durch die vom Menschen erschaffene soziale Umwelt, die Kultur, wird er zu schlechten Handlungen verleitet, die in „verderben“. Im Gegensatz dazu steht Thomas Hobbes Ansatz des Naturzustands, in dem der Mensch dem Menschen ein Wolf ist, d.h. von Natur aus etwas schlechtes inne hat. Erst durch die Kultur wird er erzogen und kultiviert, was ihn zu einem Leben in der Gemeinschaft befähigt.

Abschließend lässt sich daher sagen, dass die Bewertung des Verhältnisses zwischen Natur und Kultur immer auch vom jeweiligen Menschenbild abhängt. 




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