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Der Begriff Kultur steht in einer ambivalenten Beziehung zum Begriff der Natur. Einerseits ist Kultur antonymisch in Relation zur Natur zu begreifen. Deutlich wird das an der lateinischen Etymologie, der nach „cultura“ eine aktive, willentliche Handlung wie die Bebauung, die Ausbildung oder die Bearbeitung zugrunde liegt und „natura“ vom lateinischen Verb „nasci“ für entstehen bzw. geboren werden stammt.

Der Mensch findet sich in der ihm exogen gegebenen Natur vor, die aber nicht die Kultur umfasst, weil jene erst durch Bearbeitung der Natur endogen aus der menschlichen Natur heraus entsteht. Nach dieser Lesart besteht eine Verbindung zwischen Natur und Kultur, ferner die Natur den Menschen und sein Wesen hervorgebracht hat, trennt sich von ihr allerdings in den Möglichkeiten des Vollzugs menschlichen Schaffens, welches versucht, die Natur sich zu unterwerfen.

Eine zweite Verbindung besteht darin, welchen Stellenwert die Natur in der Kultur einnimmt. Kultur kann als eine Lösung gesehen werden, die Mängel der Natur zu beheben. Kultur kann als Bedrohung für eine schützenswerte Natur gesehen werden. Anders herum, falls man eine spezifische Kultur irrtümlich als natürlich bezeichnet, riskiert man ungerechte Ordnungen zu essentialisieren. Damit wäre der Mensch mittellos, seine eigenen Lebensumstände zu gestalten. Kultur ist somit nicht statisch, sondern dynamisch und vergänglich. Natur ist zwar ebenso dynamisch, unabhängig von qualitativen Gesichtspunkten wie sehr z.B. die Natur als vom Menschen zerstört gilt, gibt es aber immer eine Natur. Eine Verbindung beider Begriffe scheint aus Sicht praktischer Argumentationen mit Blick auf den anthropogenen Klimawandel als unumgänglich, da nur in einer lebenswerten Natur Kultur auch existieren kann.




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