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Kultur – Zivilisation

Bis in das 18. Jahrhundert wurden die beiden Begriffe Kultur und Zivilisation als sehr ähnlich angesehen, doch schon Kant hob hervor, dass es wichtig sei, diese zu trennen. Kultur ist nämlich nicht nur Verhalten, welches von außen sichtbar ist, sondern beschreibt vielmehr den Prozess, durch den Menschen zu moralischen Wesen werden. Vor allem in Deutschland werden die beiden Begriffe stärker voneinander getrennt, als es beispielsweise in Frankreich oder England der Fall ist. Kultur ist nicht Zivilisation, da Zivilisation eher die Oberfläche menschlichen Daseins beschreibt und Faktoren wie Religion, Kunst und alles im Zusammenhang mit dem menschlichen Geist, außer Acht lässt. Zivilisation trennt nicht strikt den geistig-künstlerischen von dem politisch-wirtschaftlichen Bereich. Des Weiteren muss hervorgehoben werden, dass der Kulturbegriff nicht die Gemeinsamkeit, sondern die Abgrenzung und Unterschiede von Gruppen hervorhebt.

Theoretiker:Innen und ihr Bezug zu dem Begriff „Kultur“

Pierre Bourdieu erweiterte die traditionelle, sehr ökonomisch dominierte, Klassentheorie durch eine kulturelle Dimension. Er betrachtete nicht nur das ökonomische Kapital, welches einen Einfluss auf die Sozialstruktur hat, sondern führte zusätzlich noch das soziale und das kulturelle Kapital hinzu. Letzteres unterteilt er in objektiviertes Kulturkapital, bei dem es sich um den Besitz von materiellen Kulturgütern handelt, in institutionalisierte Kulturkapital, welches die akademischen Auszeichnungen beinhaltet und in das inkorporierte Kulturkapital, was die Verinnerlichung kultureller Fertigkeiten beschreibt. Kein Individuum kann sich den Klassenkämpfen entziehen. Zusätzlich ist das Handlungsrepertoire eines jeden begrenzt und diese Grenzen stellt laut Bourdieu der Habitus dar. Kultur war durch Bourdieu kein Sonderbereich mehr, der sich den Klassifikationskämpfen entziehen konnte, denn er zeigte, dass vor allem auch hier ständig darum gekämpft wird kulturelles Kapital anzuhäufen, um seine soziale Stellung zu sichern und zu verbessern.

Den Grundstein für Bourdieus Theorie legte zuvor Thorstein Veblen, indem er „die Rolle des Konsums für die moderne Gesellschaft“ (S.203) in seinem Werk „The Theory of the Leisure Class“ (1899) thematisierte. Zentral ist hierbei der „demonstrative Konsum“, den Menschen nutzen, um sich voneinander abzugrenzen. Durch das Anhäufen möglichst vieler, möglichst teurer Güter, die weit über das hinausgehen, was man eigentlich zum Leben braucht, soll Ansehen und Prestige erlangt werden. 




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