A.

Negative Definition von Kultur

Der Kulturbegriff ist diffus und nur schwer klar zu definieren. Für ein weitreichenderes Verständnis wird die ‚Kultur‘ von Nichtkulturen oder von anderen Kulturen unterschieden und dabei häufig als Teil eines Begriffspaares eingeführt. Sie kann beispielsweise der Zivilisation gegenübergestellt werden. Eine negative Definition hierbei könnte wie folgt lauten: ‚Kultur ist nicht die Zivilisation, weil die Kultur „die innere Bildung des Menschen zum moralischen Wesen“ (S.201) bezeichnet, wohingegen die Zivilisation ausschließlich auf das äußerlich sichtbare Verhalten bezogen bleibt. Darüber hinaus zielt der Kulturbegriff primär auf Abgrenzungen und die Zivilisation betont Gemeinsamkeiten.‘ 


Bezug der Theoretiker:Innen zum Begriff ‚Kultur‘

Eine Reihe klassischer Soziologen wenden sich in ihren Arbeiten dem Begriff der Kultur zu. Der deutsche Philosoph und Soziologe Georg Simmel beispielsweise untersucht in seinem Werk die ‚Philosophie des Geldes‘ (1900) die Kultur und den gesamten Stil des Lebens. Er stellt sich dabei primär die Frage, inwiefern diese von Geld beeinflusst werden. Simmel differenziert zwischen der objektiven und der subjektiven Kultur. Er vertritt die These, dass sich der Einzelne mit seiner Subjektivität immer mehr von der objektiven Kultur entfremdet, wobei sich jene objektive Kultur nach Simmel ebenso zu einem immer komplexer und eigenständiger werdenden Phänomen entwickelt. „Die Herrschaft der Sachen droht den einzelnen zum Sklaven seiner eignen Produkte zu machen“ (S.202). 

Thorstein Veblen setzt sein Hauptinteresse in ‚The Theory of the Leisure Class‘ (1899) hingegen auf die Rolle des Konsums, speziell des ‚demonstrativen Konsums‘, in modernen Gesellschaften. Er verfolgt die Annahme, dass die Menschen mit Hilfe der Ansammlung von Gütern zuhauf danach streben, Prestige und Anerkennung zu erlangen, anstatt die eigene materielle Lebenslage zu verbessern. Veblen legt mit seinem Ansatz insbesondere für die spätere Arbeit Bourdieus, die den Namen ‚die feinen Unterschiede‘ (1982) trägt, einen ersten wichtigen Grundstein. Pierre Bourdieu geht von einer Klassenstruktur einer Gesellschaft aus und stellt eine Kopplung zwischen der sozialen Lage und der kulturellen Orientierung her. Die Kapitalverteilung fungiert dabei als Struktur des Sozialen, welche er neben dem herkömmlichen ökonomischen Kapital um die Dimensionen des sozialen und des kulturellen Kapitals erweitert. Menschen werden auf Grundlage ihrer kulturellen Interessen in einer gesellschaftlichen Klasse verortet. Bourdieu folgt der These, „dass ein permanenter Kampf um die Anhäufung kulturellen Kapitals stattfindet, das zum zentralen Faktor für die Reproduktion der Klassenstrukturen avanciert ist“ (S.207). Er definiert die Kultur damit neu, als eine Art „Tummelplatz für Klassifikationskämpfe“ (S.207). 



Comments

JG
Jonathan Gruhler teacher April 25, 2021, 2:22 PM

Könnten Sie näher spezifizieren was Simmel unter der objektiven und der subjektiven Kultur versteht?


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