Das Problem des Fremd(en)verstehens

(1) Wer ist der Fremde bei Schütz?

Der Fremde wird nach Schütz als „Erwachsener unserer Zeit und Zivilisation […], der von der Gruppe, welcher er sich nähert, dauerhaft akzeptiert oder zumindest geduldet werden möchte“ (Schütz 2002, S. 73) beschrieben. Anhand des Beispiels des Immigranten wird diese soziale Situation analysiert und beschrieben. Dabei lässt sich dieses Phänomen auch in anderen Situationen wie beispielsweise der zukünftige Bräutigam, der in die Familie seiner Frau aufgenommen werden möchte oder der Junge vom Land, der auf die Universität geht. Jedoch werden bestimmte Fälle ausgeschlossen, die diese Definition verändern würden: Individuen mit zeitlich begrenzten Aufenthalten, Kinder und Menschen aus verschiedenen Zivilisationsstufen.

Individuen jeder sozialen Gruppe besitzen ein Kultur- und Zivilisationsmuster, genauso wie der Fremde sein eigenes Relevanzsystem aus der Heimat besitzt. Trifft dieser auf die Gruppe stellt dieser fest, dass deren Kultur- und Zivilisationsmuster nicht die gleichen wie die seinen sind.  Um diese annehmen und verstehen zu können muss der Fremde offen sein die Denkmuster dieser näher zu erforschen. Dies geschieht spätestens im „Prozess der Untersuchung“, wenn der Fremde mit der Diskrepanz zwischen seinen Vorstellungen aus der Heimat und der tatsächlichen Realität konfrontiert wird. Verinnerlicht dieser die Kultur- und Zivilisationsmuster der Gruppe, sodass diese selbstverständlich für ihn sind, so ist jener Fremde kein Fremder mehr.


(2) Im Falle des Aufsatzes „Der Heimkehrer“: Welche Entfremdungseffekte werden hier aufgezeigt? (3) Im Falle des Aufsatzes „Der Heimkehrer“: Welche Wirkung haben diese Entfremdungseffekte auf die Re-integration der Heimkehrer?

Schütz weist einen speziellen Fall des Fremdseins, nämlich den Heimkehrer, auf. Der Unterschied zwischen diesem und dem Fremden liegt darin, dass Letztere Mitglieder einer Gruppe werden möchten, der sie zu keinem Zeitpunkt angehörten. Hingegen möchten Heimkehrende in ihre Heimat zurückkehren und gehen davon aus, dass die verinnerlichten gelernten Relevanzsysteme bei ihrer Rückkehr konstant geblieben sind.

Während der Abwesenheit kommt es jedoch zu Entfremdungseffekten. Ein Effekt ist, dass der Heimkehrer seine gelernten Kultur- und Zivilisationsmuster, die in einer fremden Gruppe nicht angenommen wurden, ebenso nicht in der Heimat funktionieren. So kommt es dazu, dass jener beim Zurückkehren erneut mit der Anpassung seines Relevanzsystems konfrontiert ist. Je nach dem wieviel Zeit vergangen ist, macht dies auch einen Entfremdungseffekt aus, da durch Zunahme der Altersjahren auch weitere Erfahrungen dazukommen und sich somit der Bewusstseinszustand des Heimkehrenden verändert. Dieser kehrt als ein Anderer zurück, dass sich besonders bei zurückkehrenden Soldaten äußert.

Entfremdungseffekte zeigen somit, wie schwer es sein kann, die Beziehung zwischen dem Heimkehrenden und den Menschen in der Heimat wiederherzustellen. 



Comments

Kathia Serrano teacher November 26, 2020, 7:29 PM

Frage 1 haben Sie sehr gut und strukturiert beantwortet. Vielleicht hätte ich mir noch gewünscht, dass Sie den Begriff "Zivilisationsmuster" etwas ausbuchstabieren. Bei Antwort 2 sind die wesentlichen Punkte genannt - unklar aber bleibt, warum es den Entfremdudngseffekt überhaupt gibt (Heimatsgesellschaft hat sich in Abwesenheit gewandelt, Heimkehrer hat typisierte Erinnerungen etc).

Join linkr for free today!

linkr is easy to use and will make your teaching more interactive