Das Problem des Fremdverstehens

Wer ist der Fremde bei Schütz?

Der Fremde bei Schütz ist ein Individuum, das bei seiner Ankunft in einer neuen Umwelt Teil einer Gruppe oder Mitglied der Gruppe werden möchte. Er besitzt im Gegensatz zu Heimkehrer kein Wissen über den Ort, seine sozialen und kulturellen Phänomene und die Bewohner. Der Fremde muss all diese Merkmale erst kennenlernen und verstehen während der Heimkehrer sich nur daran erinnern muss. Er möchte von einer Gruppe akzeptiert werden. Dabei gibt es mehrere Hindernisse, die diesen Prozess für den Fremden erschweren. Seine Art zu Denken wie es in seiner Heimat gewohnt und akzeptiert war wird in einer fremden Umwelt womöglich nicht mehr akzeptiert. Er muss neue Kultur- und Zivilisationsmuster lernen und um dies zu tun muss er es schaffen seine alten Kultur- und Zivilisationsmuster nicht nur zu übersetzen, sondern gleichzeitig hinter sich zu lassen. Ihm wird nämlich von den Mitgliedern der Gruppe, der er beitreten möchte kein vollständiges Vertrauen entgegengebracht. Da diese seine vorherige Lebensweise nicht können muss er ihnen ebenfalls beweisen, dass er bereit ist sich einer neuen Lebensweise und Hierarchie anzupassen. Es ist also seine Aufgabe nicht nur das Verhalten der Gruppe von außen zu beobachten sondern ebenfalls die neuen Verhaltensweisen durch Interaktion und aktives Beitragen zu adaptieren.

Im Falle des Aufsatzes „Der Heimkehrer“: Welche Entfremdungseffekte werden hier aufgezeigt?

Während der Abwesenheit von der Heimat entstehen bestimmte Barrieren zwischen den Menschen, die in der Heimat bleiben und demjenigen, der die Heimat verlässt. Dies hat vor allem damit zu tun, dass die Face to Face Interaktion nicht mehr statt findet. Selbst wenn durch Kommunikation über Briefe der Kontakt zur Heimat beibehalten wird, setzen beide Parteien eine Art Maske auf. Der Grund dafür liegt darin, dass beide ihre Berichte nur an die Version des Partners richten können, die sie zuletzt wahrhaftig erlebt haben. Da keine Face-to-face Interaktion mehr stattfindet wird diese Version des Partners quasi nicht aktualisiert, d.h. neue Interessen und Lebensziele hinzugefügt, sondern man richtet seine Nachrichten an die Person, die man zuletzt gesehen hat. Die empfangende Person mag in der Latenzzeit zwischen Abschied und Kontaktaufnahme sich schon weiterentwickelt haben oder eine ganz andere Person sein, was aber nicht in Form der Briefe übermittelt werden kann. Derjenige der die Heimat verlassen hat, kann nicht mehr aktiv auf das Leben in seiner Heimat zugreifen, da er sich in einer anderen sozialen Dimension befindet.

Im Falle des Aufsatzes „Der Heimkehrer“: Welche Wirkung haben diese Entfremdungseffekte auf die Re-integration der Heimkehrer?

Am Beispiel eines Soldaten, der um im Krieg zu kämpfen, die Heimat verlässt und wenig Kontakt hat, wird erläutert wie verzerrt die tatsächlichen Erfahrungen des Soldaten durch andere Berichterstattungsformen verzerrt werden können. Sobald er zu Hause ankommt, werden sein Schilderungen nicht ernst genommen, da die anderen sich schon ein Bild seiner Realität gemacht haben und nur das nachempfinden wollen/können was sie bereits kennen und als ihre persönliche Realität anerkannt haben. Für den Soldaten selbst hat seine Heimat während seiner Abwesenheit sich ebenfalls geändert und seinen Sinn gewandelt. Dieser Eindruck entsteht aus der Tatsache, dass der Soldat in einer neuen Umwelt Erfahrungen gesammelt hat, die ihm die Möglichkeit geben die Realität der Heimat neu zu deuten. Manche Soldaten kommen mit diesem Sinneswandel jedoch schlecht klar, vor allem da ihnen durch Ende des Krieges eine treibende Kraft genommen wurde, die zuvor klare Richtlinien in ihrer Lebensführung aufwarf. Sie haben Problem in ihren alten Alltag oder Beruf zurückzukehren, da sie diese Realität aus besagten Gründen aus einem neuen Blickwinkel sehen. Gleichzeitig kann für den heimkehrenden Soldat ein Problem entstehen, da er aus seiner bestehenden In-Group der Soldaten entfernt wurde. Dort herrschte ein Gefühl von Pflicht und Kameradschaft, angetrieben vom gemeinsamen Willen den Feind zu besiegen. Dieser Wille kann jedoch nicht mehr auf die Realität des Friedens übertragen werden. Das Leben als Soldat hat zuvor einen Sinn und Antrieb, vor allem aber auch Anerkennung durch andere Individuen womöglich auch aus der Heimat gegeben. Auch diese Bestandteile fallen bei der Rückkehr in die Heimat weg.




Comments

Kathia Serrano teacher November 26, 2020, 7:47 PM

Sehr differenzierte und klug strukturierte Antworten. Ihre Ausführungen zu Frage 2 und den Gesichtsfeldbeziehungen finde ich besonders gelungen.

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