Making it by faking it

Forschungsseminar: Studieren in Zeiten Coronas

Aufgaben


Literatur:

- Granfield, R. (1991): Making it by faking it. Working-Class Students in an Elite Academic Environment. In: Journal of Contemporary Ethnography 20 (3).S. 331–351.


1) Wo/Wie erfahren Studierende aus bildungsfernen Schichten soziale Ungleichheiten in Eliteschulen?

Die Studierenden aus bildungsfernen Schichten machen ihre ersten Ungleichheitserfahrungen bereits im ersten Semester, wo sie eine Art Kompetenzkrise durchleben. Ihnen fehlt das entsprechende kulturelle Kapital, um sich zurecht zu finden. Dieser Umstand zeigt sich unter anderem in der Schwierigkeit, die für solche Eliteschulen angemessene Sprache zu sprechen. Da sie außerdem oft nicht die entsprechende Kleidung tragen, nicht nach den gleichen Werten erzogen wurden und allgemein nicht die mit den höher privilegierten Studierenden assoziierten Erfahrungen gemacht haben, fühlen sie sich als kulturelle Außenseiter. Dies wird für sie vor allem in Diskussionen und Debatten im Rahmen von Vorlesungen bemerkbar, vor allem dann, wenn Professoren auch noch ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass sie es nur mit Studierenden aus Elitefamilien zu tun haben. Diese soziale Distanz sorgt für ein ziemlich ungemütliches Gefühl bei den Studierenden aus Arbeiterfamilien. Darüber hinaus können Bewerbungsgespräche während des Studiums, bei denen fast ausschließlich die sozialen und kulturellen und viel weniger die fachlichen Kompetenzen im Vordergrund zu stehen scheinen, die Studierenden zusätzlich verunsichern.



2) Welche Strategien entwickeln sie, um damit zurecht zu kommen?

Im Allgemeinen kann man sagen, dass sie versuchen, mit Informationen über sich selbst kontrolliert umzugehen und das heißt oft, Informationen über ihre Herkunft geheim zu halten. So werden die Berufe der Eltern per se nicht mehr erwähnt. Informationen geheim zu halten funktioniert aber vor allem auch über das Imitieren von Gewohnheiten höher privilegierter Studierenden. Studierende aus Arbeiterfamilien stellen also beispielsweise ihren Kleidungsstil um. Ihnen wird äußerst wichtig, wie sie sich präsentieren. Dabei stehen ihnen sogar „Berater“ zur Seite, die ihnen genau zu dem gerade beschriebenen anpassungsfreudigen Verhalten (gerade im Hinblick auf Jobaussichten) raten. Diese Aneignung von sozialer Kompetenz stellt neben einem sowieso schon meist anspruchsvollen Studium eine zusätzliche Belastung dar, die den Erfolg im Studium negativ beeinflussen kann.

Durch ihr Anpassungsverhalten leiden die Studierenden aus Arbeiterfamilien nicht selten an „Identitätsambivalenzen“. Sie meinen, ihre eigentlichen Werte zu verraten, indem sie elitäre Interessen vertreten. Um diese Spannungen zu lösen, bleiben einige dieser Studenten bewusst auf ideologischer Distanz zur Elite. Ihr Antrieb ist stattdessen, durch das Ergreifen von Jobs, die im Normalfall von der Elite besetzt werden, das Leben der niedrigeren Schichten positiv zu verändern. Eine solche Einstellung kann wiederum andere Studierende aus Arbeiterfamilien an ihre scheinbar vorhandenen sozialen Verpflichtungen erinnern. Dies führt dann nicht selten dazu, dass sich auch Studierende aus Arbeiterfamilien untereinander fern bleiben.



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