Woche 3 – Das Problem des Fremd(en)verstehens

Wer ist der Fremde bei Schütz?

Wissenssoziologe Alfred Schütz beschäftigt sich in seinem Text Der Fremde mit einem Begriff Fremde, der von ihm wie „eine Erwachsene unserer Zeit und Zivilisation, der von der Gruppe, welcher er sich nähert, dauerhaft akzeptiert oder zumindest geduldet werden möchte“ definiert ist. [Schütz 2002, S. 73]. Wie die Beispiele des Fremden gibt der Autor ein Immigranten; Junge vom Land, der an der Uni geht oder zukünftige Bräutigam, der in die Familie seines Mädchens aufgenommen möchte, an. In dem Text betont Schütz in der Verbindung zum Begriff Fremde auch, dass jeder Fremde ein Zivilisationsmuster des Gruppenlebens aus seiner Heimat besitzt, was bedeutet, dass die Wertungen, Institutionen, Orientierungs- und Führungssysteme die Personen helfen, andere Mitglieder seiner in-group zu verstehen und selbst verstanden zu werden. Weil er seine neue Umwelt im Sinn seines Denkens-wie-üblich auslegt und weil ihm das Relevanzsystem der Gruppe, der er sich nähert, nicht vertraut ist, nimmt er nicht an den lebendigen Traditionen teil und erlebt er gemeinsamen Erfahrungen der neuen Gruppe nicht. Deshalb kommt der Autor mit der Lösung, wie Fremde das neuen Relevanzsystem verstehen kann. Und zwar sollte der Fremde im ersten Schritt explizites Wissen von dessen Elementen anhäufen, indem er nicht nur ihr „dass“, sondern auch ihr „warum“ untersucht. [Schütz 2002, S. 88].

 

Im Falle des Aufsatzes „Der Heimkehrer“: Welche Entfremdungseffekte werden hier aufgezeigt?

Welche Wirkung haben diese Entfremdungseffekte auf die Re-integration der Heimkehrer?

In dem zweiten Text Der Heimkehrer beschreibt Schütz, wie schon den Titel andeutet, den Begriff Heimkehrer, jemanden, der freiwillig nach Hause zurückkommt. Wie ein Beispiel des Heimkehrers führt der Autor im Text einen heimkehrenden Soldaten an. Einer der ersten im Text beschriebenen Entfremdungseffekte ist der Fakt, dass das heimische Leben sich völlig für den Menschen, die Heimat verlassen haben, geändert hat. Die Wirkungen von diesem Effekt sind, dass das Leben in Heimat für die Heimkehrende nicht mehr unmittelbar zugänglich ist und dass der Heimkehrer sich nicht mehr nach Zurückkehren als Teilhaber in lebendiger Gegenwart fühlt. [Schütz 1972, S. 76]. Zu anderen Effekte gliedert Schütz ein, dass der Heimkehrer nach der Rückfahrt ein Aufbruch von der Heimat spürt. Es hat für ihn aber nicht nur dem Heim, zu dem er zurückkehrt, geändert, sondern auch er sich selbst ist nicht mehr der gleiche, der fortging. Er hat jetzt neue Perspektiven, seine früheren Wahrscheinlichkeiten haben sich in Wirklichkeiten oder in Unmöglichkeiten verwandelt und seine Erfahrungen waren durch Erinnerun­gen und neue Bewertung ersetzt. Und wie Schütz in dem Text erwähnt, haben diese Effekte auch eine Folge, wie zum Beispiel die Deformation der Relevanzstrukturen und zerbrochen der Persönlichkeit in Stücken. [Schütz 1972, S. 77]  

Anderer von Autor beschriebene Entfremdungseffekt ist, dass Heimkehrers neue Erfahrungen, die ihm in Ausland passiert haben, für Leute aus seiner Heimat nicht verständlich oder schwierig begreiflich werden. Deshalb werden die Heimatszuhörer diese seine neuen individuellen Erfahrungen durch Stereotypen hineinsehen. Schütz beweist dieser Gedanke durch Beispiel eines heimkehrenden Soldaten, der seine Familie die Erfahrungen aus dem Krieg beschrieben hat. Obwohl er von ihm erzählte Handlung wie ein Ausdruck des Mutes gesehen hat, haben es Leute aus seiner Heimat nicht mit gleichen Charakteristiken verstanden. Sie haben seine Erfahrungen pseudotypisiert und daraus entsteht eine andere Wirkung der Entfremdungseffekt und zwar, dass dieses Verstehen mit einer Pseudorelevanz stärkste Hindernisse für Heimkehrers wechselseitige Wiederherstellung der unterbrochenen Wir-Beziehungen und die Wiederkehr des Sel­ben ist. Deshalb damit der Soldat nicht enttäuscht wird, dass seine Familie und Freunde die Erzählung anders verstanden haben, muss Heimkehrer die Heimatgruppe entsprechend vorzubereiten, dass nicht alles, was sie in die Presse, Radio oder Fernsehen gelernt haben, ist wahr. [Schütz 1972, S. 84]

Der Autor dann im Text auch betont, dass Heimkehrer die sozialen Funktionen, die in einem System des sozialen Lebens sich be­währten, nach Erkenntnis des anderen Systems nicht mehr gleich weiterhin bewähren werden, wie es das er früher gemacht hat. [Schütz 1972, S. 77] Wie ein Beweis dieser Gedanken erwähnt Schütz noch ein anderes Soldat-Beispiel. Er beschreibt, dass die Persönlichkeit des heimkehrenden Soldaten in der Armee durch die Disziplin, die Pflicht und das Gefühl der Solidarität geändert war. Nach seiner Rückfahrt in Heimat, lebt er aber nicht mehr unter der Kontrolle und Disziplin, sondern benutzt er wieder Verhaltensmustern seines normalen zivilen Lebens der Heimat, die er aber jetzt neu und unterschiedlich bewährt. Soldat muss auch jetzt neu erfahren, dass er ganz unterschiedliche Position in der Gesellschaft hat. Obwohl er nämlich in Kriegszeiten privilegierten Status in der ganzen Gemeinschaft hatte, ist er jetzt wieder ein normaler Bewohner wie andere.

 

Können Sie an weitere Beispiele denken, in denen diese Entfremdungseffekte wirksam werden?

Weiteres Beispiel der Entfremdungseffekte kann auch ein Aufbruch zwischen der Familie, Freunde und dem Heimkehrer sein. Weil Heimkehrer bestimmten Zeit nicht mit seiner Heimatsgruppe den sozialen Leben geteilt hat, ist es für ihn nach seinem Rückfahrt schwierig ihre Erfahrungen zu verstehen, die sie in seinem Abwesenheit erfahren haben. Auch die tiefen Verhältnisse zwischen ihn und seine Freunde und Familie waren zerbrochen und durch nicht intensive Verhältnisse ersetzet. Ob es auch in seiner Heimat neue politische oder soziale Wandeln passiert haben, ist es für ihn schwierig nicht nur neuen System und Regeln zu verstehen, sondern auch in sie integriert zu werden. Es kann für ihn auch anspruchsvoll sein, an der Diskussion über die aktuellen oder neuerlichen Themen teilzunehmen.   

 

Quellen:

Schütz, Alfred (1972): Der Heimkehrer. In: Alfred Schütz und Arvid Brodersen (Hg.): Gesammelte Aufsätze: II Studien zur soziologischen Theorie. Dordrecht: Springer Netherlands, S. 70-84.

Schütz, A. (2002): Der Fremde. Ein sozialpsychologischer Versuch. In: Der Fremde als sozialer Typus (Merz-Benz und Wagner Hrsg.). Konstanz: UVK. 73-92.



Comments

Kathia Serrano teacher November 26, 2020, 8:03 PM

Gut strukturierte Anwort, die auf die wesentlichen Punkte der Fragestellung eingeht. Besonders gelungen finde ich Anwtort 2. In Anwtort 1 ist zu beachten, dass Schütz nicht etwa eine Emfpehlung ausspricht, der Fremde müsse sich der neuen Heimat objektiv und prüfend nähern. Er geht vielmehr davon aus, dass er es tut.

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