Woche 4: Assimilation

1. Wie funktioniert Assimilation? Welche Prozesse der Grenzziehung und Grenzüberwindung sind damit verbunden?

Der Prozess der Assimilation kennzeichnet sich dadurch, dass die ethnisch und/oder kulturell von der Mehrheit der indigenen Bevölkerung abweichende Minderheit sich in eine neue soziokulturelle Formation einwohnt. Dabei wird im Werk von Alba und Nee betont, dass dieser Prozess eine gewisse Wechselseitigkeit besitzt, weil die sich assimilierende Minderheit auch die bestehende gesellschaftskulturelle Balance verändert. Die Fähigkeit der Neugestaltung einer kulturell einheitlichen Gesellschaft des Assimilationsprozesses ist aber dadurch beschränkt, dass neue zu assimilierende Elemente einer solchen Gesellschaft zunächst als die Gleichberechtigte in dieser neuen Gesellschaft gesehen werden können. Die Assimilation möge den Autoren zufolge anlässlich dieser zu überwindenden Abgrenzung in drei unterschiedlichen Verfahrensweisen zerlegt werden: Grenzüberschreitung, Grenzverwischung und Grenzverschiebung. Der Unterschied basiert darauf, inwiefern durch den Assimilationsprozess die vorhin vorhandene gesellschaftliche Grenze zwischen den etablierten Mitglieder dieser Gesellschaft und den neuen Assimilierenden aus einer kulturell abweichenden Gesellschaft sich umstellen lässt. Im Falle einer "Überschreitung" sprechen die Autoren von einer Assimilation ohne sämtlichen Einfluss auf die hiermit gemeinte soziale "Grenze". Bei der "Verwischung" spricht man von einer Dünnung oder dem Verschwimmen der sozialen Grenze, die jedoch besteht und die Akteure auf den vorher ihnen zugewiesenen Seiten blieben. Wenn es um eine "Verschiebung" geht, findet eine grundlegende Transformation des Status der Grenzen, insofern, dass die Teilnehmer der Assimilation von beiden Seiten im Verlauf dieses Assimilationsprozesses deren Rollen und Positionen respektive der genannten Grenze gegenseitig tauschen.


2. Welche Bedeutung haben institutionelle Rahmenbedingungen (Gesetze, staatliche Programme etc.) für die Integration von Migranten?

Unter der Bedingung, dass die primäre Zielsetzung der staatlichen Gesetze die Verbreitung der Gleichberechtigung und Abschaffung der Diskriminierung ist, sollen solche Gesetze dafür sorgen, dass die indigene Bevölkerung den Migranten gegenüber toleranter wird und die den länger beheimateten sozialen Gruppen verfügbare sozioökonomischen Diskriminierungspfade wie das herkunftsbedingte Vermieten einer Wohnung, Vergeben eines Studienplatzes, Anwerben eines Arbeiters u. Ä. gesetzlich verhindert werden.

3. Welche Assimilationsproblematiken und Grenzziehungsprozesse sind im Fall der spanischen Bevölkerung in den USA festzustellen?

Die Separation der spanisch-sprachigen Bevölkerung in den USA vermag eine Erschwerung für die vollständige Integration für sie darstellen. Aufgrund dieser Abspaltung scheitern solche neue Mitglieder einer Gesellschaft die für die Überschreitung, Verwischung oder Verschiebung der Integrationsgrenze nötigen Schritte zu machen. Die Lage wird auch durch eine hohe Anzahl an in einer gesetzwidrigen Weise ins Land eingereisten Migranten unter der hispanischen Bevölkerung erschwert. Die Migrationspraxen sowie die Integrationsaufwand seitens der USA mögen umstritten sein, jedoch besteht die Realität der Migrationspolitik relativ unverändert und verhindert weitere Integration in einem wesentlichen Ausmaß. Das verursacht auch das zusätzliche "Herabziehen" solcher Migranten von der Seite der offiziellen Behörden und regulären Bürger, was sowohl die ökonomische, als auch soziale Lage dieser Migranten erschwert. Aufgrund dessen fällt es schwer, eine vollständige Assimilation der spanischen Migranten in den USA durchzuführen.


Literaturverzeichnis

Alba, R. und Nee, V. (2004): Assimilation und Einwanderung in den USA. In: Migration-Integration-Bildung (Bade/Bommes Hrsg.). IMIS-Heft 23. 21-41.

Alba, R. (2006): Mexican Americans and the American Dream. In 4 Perspectives on Politics 4. 289-296.



Comments

Kathia Serrano teacher December 7, 2020, 9:29 AM

Sie haben die wesentlicehn Argumente der Texte gut strukturiert zusammengefasst. In Antwort 1 gefällt mir besonders gut, dass Sie die Wechselwirkung ins Zentrum Ihrer Antwortstrategie rücken. Antwort 2 ist natürlich korrekt. Doch wie genau wir aus einem Gesetz "gelebte" Gleichheit? In Antwort 3 sind Sie etwas einseitig unterwegs. Denn das Hauptargument von Alba ist zu sagen, dass es keine homogene Migrantengruppe gibt. Während also eine Merhheit der Mexikaner im intergenerationalen Vergleich durchaus Assimilationstendenzen vorweisen, trifft die Prekarität/Ausgrenzung, die Sie beschreiben, auf eine "substantielle Minderheit" zu.

Join linkr for free today!

linkr is easy to use and will make your teaching more interactive