Woche 7

1) Wo/Wie erfahren die Studierenden aus bildungsfernen Schichten soziale Ungleichheit in Eliteschulen?

Studierende aus bildungsfernen Schichten erfahren häufig echte und/oder wahrgenommene Abwertung der Identitätsanteile. Die psychische Reaktion der Studierenden darauf ist typisch für Stigma-Management, das auch andere stigmatisierte Gruppen betreiben, um ihre Identität an das „Idealbild“ anzupassen. Die Studierenden aus der Arbeiterklasse haben im Vergleich zu den „schichtgetreuen“ anderen Studierenden an den Ivy Leauge Unis den Nachteil kulturelles Kapital erst akkumulieren zu müssen (um angepasst zu sein), da sie dies nicht wie die „Schichtgetreuen“ mit auf den Weg bekommen haben.

 Die Arbeiter Klasse Studierenden zunächst mit viel Klassenstolz an die Elite-Unis. Die Studierenden gaben ihren Hintergrund sogar oft als Motivations-Faktor an. Aber sie merken recht schnell, dass sie anders sind als der Rest der Studierenden und ihnen das kulturelle Kapital fehlt, was die privilegierten Studierenden schon haben. Die führte bei den Studierenden zu einer Kompetenz-Krise, welche vor allem in den ersten Semestern empfunden wird. Sie gehen also zunächst voller Vorfreunde an die Uni, sogar mit Klassenstolz, um dann recht schnell das Gefühl zu bekommen anders zu sein und das nicht im positiven Sinne. Es kommt also schon am Anfang des Studiums schnell zu motivationshemmenden- und indentitätskrisenstiftenden Momenten, die dazu führen, dass die Studierenden sich inkompetent, handlungsunfähig, eingeschüchtert fühlen und sich schämen und das nur aufgrund von weniger in der Kindheit mitgegebenem kulturellen Kapital. Diese fällt ihnen auch auf: Das Gefühl, weniger „kulturelle“ Fehler zu machen, wenn man in einer bürgerlichen Familie aufgewachsen wäre.

Die selbstbewusstseinsschwächenden Situationen führen zu self-fulfilling-prophecy Momenten und zur Internalisierung anders und zu sein und nicht an die Elitehochschule zu passen, was die Individuen ständig an sich zweifeln lässt (ähnlich wie Andorra-Effekt), was sich vor allem in den ersten Semestern zeigt. 

In der Studie konnte gezeigt werden, dass die Studierenden aus bildungsfernen Schichten höheren innerlichen Stress als die Studierenden aus bürgerlichen Schichten, vor allem im ersten Studienjahr. Der innerliche Stress kam vor allem durch das Gefühl akademisch nicht zu genügen und das alles trotz perfekter Leistungen. Der Druck perfekte Noten zu schreiben war bei den Studierenden aus der Arbeiterklasse ungefähr doppelt so hoch wie bei den Studierenden aus bildungsnahen Schichten.

Alle Studierenden kennen das Gefühl sich nicht kompetent genug und unsicher zu fühlen. Bei Studierenden aus bildungsfernen Schichten kommt aber nur die Bürde dazu sich als „kultureller Outsider“ zu fühlen. Neben dem Defizit an kulturellem Kapital (andere Kleidung, andere Sprache etc.) sind auch die Themen, die in Seminaren besprochen werden fern von dem womit sich die Studierenden bisher beschäftigt haben (Profit-Maximierung, Economics, Immobilien, Investment etc.), da diese Thematiken herkunftsbedingt bisher keine Relevanz für sie hatten.

 Selbst die Professoren/Lehrenden gehen automatisch davon aus, dass all ihre Studierenden an Elite-Uni aus gehobenen Schichten kommen. Es gibt also auch unter den Lehrenden wenig Bewusstsein für Studierende aus der Arbeiterklasse bzw. werden diese übersehen (zumindest während und bis zur Studie 1991).

Wenn die Partner der Studierenden aus bildungsferneren Schichten aus der gleichen Schicht kommen, schämen sich die Studierenden dafür. Das Stigma hört nicht in der Uni auf, sondern ist dann auch im privaten Leben der Studierenden präsent, was zu einer Aufspaltung des Freundeskreises in „Uni-Freunde“ und „private Freunde aus der gleichen Schicht“ führt. Würde man beides vereinen wäre das Risiko, dass es zu unangenehmen Momenten kommt groß. Was dazu führt, dass die Studierenden einen Teil ihres Bekanntenkreises leugnen müssen. Das geht natürlich mit psychischem Druck einher.

2) Welche Strategien entwickeln sie, um damit zurecht zu kommen?

 Die Studierenden nehmen zunächst die Sichtweise der Andersartigkeit über sich an, die ihnen vom Umfeld vermittelt wird. Mit fortschreitendem Studium kommt es dann zur Entwicklung von Verhaltensanpassungen und Techniken, um ihren ehemals zweitrangigen Status anzupassen.

 Möglichkeiten der Anpassung bei Stigma:

A)   Annahme der Tatsache einen zweitrangigen Status zu haben

B)   Anfechten der Tatsache einen zweitrangigen Status zu haben

C)   Verschleierung des zweitrangigen Status (selten bei Stigma-Gründen, die von außen erkenntlich sind, wie Geschlecht oder Ethnizität)

 

Verschleierungs-Taktiken sind eher bei Opfern von Klassenzugehörigkeits-Stigma zu finden.

Studierende, die stolz darauf waren als erste in ihrer Familie an einer Elite-Uni zu studieren, haben sich auch im ersten Studienjahr Mühe gegeben sich von den typischen Elite Studierenden abzugrenzen. Das führte zu Gruppenbildung und Abspaltung dieser Studierenden von der übrigen „Law-School“ Community. 


Concealment-Techniken/Stigma-Management:

-      Anpassen des Kleidungsstils/Äußerlichkeiten (diese sind oft Gründe für Stigma)

-      Adaption des Elite-Verhaltens

-      Anpassung der eigenen Identität

-      Leugnung der Andersartigkeit

 

Ein Studierender bereut, dass er sich nicht von Anfang an an die Kleidungs-Gewohnheiten an der Elite Uni angepasst hat. Er sei zu Beginn des Studiums zu sehr in seiner eigenen kleinen (working-class) Welt gewesen zu sein. Auch andere Studierende sprechen mit fortschreitendem Studium den social-skills an der Elite-Uni mehr Gewichtung zu, die teilweise sogar konstitutiv sind, um später einen Job bei einer angesehenen Kanzlei arbeiten zu können. Ein Einstellungskriterium so zusagen.

 Für die perfekte Anpassung an den “Elite-Habitus“ gibt es extra professionelle Berater, die von der Uni angestellt sind und den working-class Studierenden sagen, dass sie ihren sozialen Hintergrund herunterspielen müssen, um bessere Job Chancen zu haben.

 Daraus resultiert bei den Studierenden psychischer Stress, Probleme/Zweispalt in der Identität und, dass sie sich nie so annehmen können wie sie eigentlich sind und den „ungeliebten“ Teil ihrer Identität, den sie vor anderen verstecken auch vor sich verstecken. Auch “Identity Ambivalence” und “Stranger in paradise syndrome”

 Manche Studierende wollen ihrer ursprünglichen Klasse etwas zurückgeben und Ungerechtigkeit beseitigen, andere meiden dies aber sogar und wenden sich davon ab, um damit nichts mehr zu tun haben zu müssen und sich nicht schuldig fühlen zu müssen.

 

 



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