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In Georg Kneers und Markus Schroers „Handbuch Spezielle Soziologien“ wird bei der Frage „Was ist Kultur?“ Kultur dem Begriff der Natur entgegengestellt.

Kultur ist nicht Natur, da sie, anders als die Natur, auf der bewussten Gestaltung durch den Menschen beruht. Kultur existiert also immer nur in Verbindung mit dem Menschen; sie ist sozusagen das direkte Produkt menschlichen Handelns und Agierens. Unter Natur kann man demgemäß alle Phänomene der Wirklichkeit verstehen, die nicht Produkte bewusster Gestaltung der Lebenswelt sind.

Schon Immanuel Kant hatte sich, noch ehe sich die Soziologie als eine eigene Wissenschaft etablieren konnte, über die Rolle der Kultur in der Gesellschaft Gedanken gemacht. Wurden die Begriffe Zivilisation und Kultur seinerzeit noch weitestgehend synonym verwendet, war Kant einer der ersten, der die beiden Begriffe klar unterschied. Während er unter Zivilisation alle äußerlich gesellschaftlichen Errungenschaften wie Architektur, Technik und Umgangsformen/Manieren verstand, musste für Kultur die Bedingung der Moralität gegeben sein. Das bedeutet, dass die Menschen sich bei ihren Handlungen bewusst nach guten Zwecken richten.

Eine ähnliche Meinung vertrat der US-amerikanischen Soziologe Talcott Parsons. Bei ihm beschränkte sich die Bedeutung der Kultur allerdings auf die Rolle eines kollektives System von Werten und Normen, durch das die Menschen sozialisiert werden. Die Kultur wird hier also als rein funktionell angesehen; ihre bloße Aufgabe besteht darin, Individuen in die Gesellschaft zu integrieren.

Der französische Soziologe Pierre Bourdieu verwendet den Kulturbegriff in seiner Theorie der verschiedenen Kapitalsorten: In seinem Buch „Die feinen Unterschiede“ strukturiert Bourdieu den sozialen Raum mit Hilfe von Kapitalsorten in unterschiedliche Klassen. Anders als bei Marx sind diese Kapitalsorten nicht rein materialistischer/ökonomischer Natur, sondern es existiert neben sozialem und symbolischem Kapital unter anderem auch kulturelles Kapital. Dieses unterteilt er in inkorporiertes (Habitus/Verhaltensweise), objektiviertes (Kulturgegenstände) und institutionalisiertes (akademische Titel) kulturelles Kapital.

 

Literatur :

Schroer, Markus (2010) Kultursoziologie in (Hrsg. Kneer, Georg und Schroer, Markus) Handbuch Spezielle Soziologien, VS Verlag: Wiesbaden, S. 197-215.




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