A)

Ich habe mich für eine negative Definition des Begriffes Kultur abhängig von dem Begriff Gesellschaft entschieden. Ich werde kurz meinen Entscheidugsprozess darlegen, bevor ich mit der Definition anfange, da ich denke, dass dieser von Interesse sein könnte. Schon vor dem Lesen des Textes zur heutigen Aufgabe kam mir bei dem Betrachten der Begriffspaare der Gedanke, das die Abgrenzung von Kultur und Gesellschaft von all den aufgezählten der wichtigste zu verstehen ist. Während Kultur-Natur meines intuitiven Verständnisses nach von der Gefahr begleitet wird, Kultur mit Gesellschaft gleichzusetzen (Wo würde sich in der Definition, dass Kultur "gezähmte" Natur ist, der Gesellschaftsbegriff ausschließen lassen?), wusste ich, wie ich im Nachhinein zu geben muss, wenig über die Art und Weise, wie sich Kultur von Struktur mit einem mehrwertlichen Wissenerhalt abgrenzen lasse würde. Die Unterscheidung Kultur-Zivilisation kannte ich schon in ihren Grundzügen, habe sie jedoch immer als eine Unterdefinition des Begriffspaares Kultur-Gesellschaft interpretiert, ein Vorurteil, dass ich jedoch gerne irgendwann einmal scharfer Kritik ausgesetzt sehen würde.

Nun zum Begriffspaar Kultur-Gesellschaft: Kultur grenzt sich zunächst und in erster Linie von Gesellschaft durch ihren Betrachtungswinkel ab. Während "Gesellschaft" ein komplettes, in sich schlüssiges und geschlossenes System betrachten kann (nicht muss!) ist Kultur nicht zu einer solchen geschlossen Definiton in der Lage. Gesellschaft impliziert außerdem eine weitaus strukturellere Betrachtungsweise als die tendenziell interpretatorisch ausgelegte Kultur. Kultur steht für mich auch immernoch in einer Abgrenzung zu Teilbegriffen von Gesellschaft wie "Ökonomie", "Politik" oder "Wissenschaft", auch wenn dies vermutlich ein naives Vorurteil ist, das einer soziologischen Definition des Kulturbegriffes abträglich wäre.

Adorno sieht Kultur in erster Linie als Teil des gesellschaftlichen Prozesses. Kultur steht im Vordergrund der Entwicklung der indiviuellen Wertesysteme von Akteuren innerhalb einer Gesellschaft. Am Beispiel der "Kulturindustrie" analysiert er dabei die heutige Funktion von Medien als Produkte zur Kulturerzeugung, mit dem Zweck, soziale Kontrolle und Konformität in einem kapitalistisch-individualistischen System zu erzeugen.

Für Max Weber existiert Kultur im Spannungsfeld gemeinsam mit den Begriffen Idee, Interessen und Weltbild. Kultur ist hierbei die Zusammenfügung verschiedener Weltbilder von Akteuren die daraus folgend die Interessen dieser beeinflussen und damit für sozialen Wandel sorgen, auch wenn für Weber Interessen über den Weltbilder schaffenden Ideen einen primären Stellenwert im sozialen Prozess einnehmen.



Comments

JG
Jonathan Gruhler teacher avril 26, 2021, 10:11

Dies ist der einzige Beitrag zum Begriffspaar Gesellschaft - Kultur. Schön, dass Sie sich hierauf konzentriert haben. Ich stimme Ihnen insofern zu, dass der Bergriff Gesellschaft eher strukturell geankert ist. Ihre funktionalistische Interpretation der Kultur als ein Teilbereich der Gesellschaft würde ich dagegen verneinen. Kultur findet sich meiner Meinung nach in allen Teilbereichen der Gesellschaft, zB auch in der Art zu Wirtschaften. Gesellschaft, damit haben Sie recht zielt aber eher auf ein geschlossenes System ab und umfasst nicht nur Kultur. Während aber Gesellschaften auch nicht Kulturen gleichzusetzen sind. Das heißt beide Begriffe erschöpfen sich nicht vollständig in dem jeweils anderen. "No cultures could exist without societies. But, equally, no societies could exist without culture." (Giddens, 1989, 32)


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